Hanaus Panische Lesebühne
Hanau liegt am Main und so manches Kulturangebot in Hanau ist auch Mainstream. Im "Brückenkopf" meint man aber, derlei gibt es schon genug in Hanau. Und der "Brückenkopf" liegt ja auch schließlich nicht am Main, sondern an der Kinzig.
Also gibt es dort eher Off-Mainstream-Kultur, musikalisch bisher sowieso, nun aber auch in Sachen Literatur und Kleinkunst. Ab dem Frühjahr 2012 gibt es hier Die Panische Lesebühne. Sie soll einmal im Monat stattfinden und Literaten, Satirikern, Performance- und Kleinkünstlern Gelegenheit für ungewöhnliche Vorstellungen geben. Gestartet wird in "der besten aller möglichen Kneipen" am 18. März um 20 Uhr mit der "Titanic Taskforce", der schnellen Eingreiftruppe des endgültigen Satiremagazins Titanic.
Deren Redakteure Leo Fischer, Mark-Stefan Tietze und Michael Ziegelwagner sind genau das Richtige für Leute mit Sinn für politisch unkorrekten Humor. Unterstützt wird die Auftaktveranstaltung der Panischen Lesebühne von der Sparkasse Hanau.
Das zum Brüllen komische Titanic-Trio wirft den Trauerredengenerator an, wenn es in Afghanistan mal wieder einen unserer Jungs trifft und klärt darüber auf, welche Verhütungsmittel Papst Benedikt empfiehlt. Diese Mission Impossible missioniert auch auf unmögliche Weise: noch vor dem Euro-Rettungsschirm sammelte sie ganze 48,71 Euro für das gebeutelte Griechenland, deren Annahme die griechische Regierung jedoch hochmütig verweigerte. Satire in unschlagbarer Hochform und nicht nur Titanic-Fans wissen: da sollte man sich rechtzeitig einen Platz reservieren.
Nirgendwo besser hätte man sich in Hanau diese Veranstaltung vorstellen können, als im "Brückenkopf". Seit 1983 gilt das Lokal in der Wilhelmstraße an der dort über die Kinzig führenden Brücke als die Alternative zur gutbürgerlichen Feierabendkneipe und war entsprechend auch Szenetreff für manche Alternativszene. Doch mit der neuen Reihe will man ein viel breiteres Publikum als bisher ansprechen. Der "Brückenkopf" hat eine fest installierte Bühne mit Tonanlage. Bisher gab es ein Musikprogramm und dazu sporadische Lesungen, die jetzt ausgebaut werden sollen zu einer Reihe mit eigenem Profil. Man will mit dem Konzept experimentieren. Jede Veranstaltung soll etwas Einmaliges bieten, das so vielleicht nicht wieder stattfinden wird. Das Prinzip der Wundertüte meint hier ein offenes Konzept zwischen Satire und Literatur-Talk, Mottoabenden, wie z. B. einer geplanten Mystery Night, und Live-Hörspielen, aber auch Geschichten aus der Hanauer Geschichte sowie Experimenten aus dem Spannungsfeld zwischen Literatur und Musik.
Hier wird nicht konventionell "rezitiert", sondern gelacht, geschwätzt, gesungen und geglotzt, aber auch musiziert, gegruselt und geschauspielert und vielleicht sogar mal gekocht. Es ist eine Bühne für Stars wie Newcomer, Unbekanntes, Entdeckenswertes, Verblüffendes, Unerwartetes und kreative Überflieger. Kann man so etwas noch Lesung nennen? Ja und dann auch wieder nein. Literatur mag ein Ausgangspunkt sein und auch mal ganz dezent präsentiert werden können, dann aber auch wieder in Kabarett übergehen, mit Musik, Theater und anderen medialen Darbietungen verbunden werden.
Erdacht hat sich das der aus Hanau stammende Schriftsteller, Musiker, Musikjournalist und Kleinkünstler Hans-Jürgen Lenhart. Er steht seit über 20 Jahren mit sprachspielerischen Programmen auf deutschen Bühnen und wird auch ab und zu mit seinen Begleitmusikern (Perkussionist Jürgen Weiß oder seine Band Das Drei-Mann-Quartett) als Rahmenprogramm auftreten. Er bezeichnet sich als "Sprachforscher", weil er "etwas forscher mit der Sprache umgeht". Jetzt geht er etwas forscher mit dem Begriff der Lesebühne um. Je nach Anlass wird mit einzelnen Auftretenden ein eigenes Konzept entwickelt. Hierbei kann es auch zu gemeinsamen Aktionen kommen. Dabei fungiert er als Gastgeber und Moderator der literarischen Performances. Der heute in Offenbach ansässige "panische Poet" stammt interessanterweise aus dem angrenzenden Hanauer Lamboygebiet, wo er bis in die späten 70er Jahre wohnte.
Die Panische Lesebühne soll monatlich stattfinden, meist sonntagabends. Geplant sind u. a.
- Martin Limpert - Autor mit neuem Buch zum Hanauer Lamboy-Viertel in den 60er/ 70er Jahren
- Tilman Birr - Mitbegründer der Frankfurter Lesebühne im Ponyhof und aufsteigender Star der Comedy-Szene
- Mystery-Night - mit Leo Pinkerton & Hans-Jürgen Lenhart in obskurem Ambiente
- Dirk Huelstrunks Electric Poetry: international bekannter Samplepoet und Moderator des Frankfurter Poetry Slams.
- Dieter Kögel - bekannt für seine Hanau-Krimis und Mundart-Texte
- Peter P. Peters - Deutsch für Aufhörer und Wortgeschrittene - Literarisches Kabarett um die deutsche Sprache
- Hans-Jürgen Lenhart & Jürgen Weiß - Ich bin dann mal völlig weg! - Reiseberichte für völlig Weggetretene
- Das Drei-Mann-Quartett mit einer Hommage á Kurt Schwitters
nächster Termin und Eröffnung:
18.3.2012, 20 Uhr, Die Titanic Taskforce - Ein Best of-Special der Titanic-Chefredakteure
Reservierungen unter
Tel.: 06181/ 15789
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